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Nov 05

80 Jahre Wintersportverein Ramsau am Dachstein

Vor 80 Jahren wurde der „Wintersportverein Ramsau am Dachstein“ gegründet. Anlass genug, einen Blick zurück in die alpine und nordische Skigeschichte zu werfen. Anlässlich dieses Jubiläums wurde ein eigener Film gestaltet.

Mit Freude berichten die „alten“ Ramsauer von den Anfängen des Wintersports in der Ramsau. Die Erzählungen reichen von selbstgebauten Schanzen, über die ersten Schwünge im Schnee bis hin zu waghalsigen Abfahrten, die so manchem Skiläufer viel Mut abverlangt haben müssen.

Viele der Ramsauer Mädchen und Burschen sind bereits gegen Anfang des 20. Jahrhunderts das erste Mal auf ihren Holzskiern gestanden. Sie „brettelten“ damit auf jeden Hügel, um danach in Hocke talwärts zu fahren und über jeden Hügel zu springen. Auf der „Minzlschanze“ in Ramsau Ort beispielsweise fand ab den 1930er Jahren regelmäßig das traditionelle „Josefi-Rennen“ statt: eine Kombination aus Langlauf und Sprunglauf.

 In diese Zeit fällt die Gründung des Wintersportvereins Ramsau am Dachstein, der heute mit knapp 1000 Mitgliedern einer der größten Österreichs ist. Ziel des Vereins war und ist bis heute noch die Förderung junger Athleten im nordischen und alpinen Skisport. Auch wurden durch den Wintersportverein alljährlich alpine und nordische Veranstaltungen durchgeführt. Einen nennenswerten Aufschwung erlebte der Skisport in Ramsau am Dachstein in der Nachkriegszeit. Großer Beliebtheit erfreuten sich die Edelgrieß-Rennen gegen Ende der 1940er Jahre, die zahlreiche Teilnehmer an den Start lockten. Legendär waren auch die Erund Sie-Läufe, die nach dem Krieg regelmäßig von der „Moarhoflahn“ gestartet wurden. Besonders spektakulär musste es bei so mancher Vereinsmeisterschaft abgelaufen sein. Mit Start bei der „Fischermauer“ ging es über die heutige Lärchbodenalm hinunter bis zum Feistererhof. Dieser Streckenverlauf verlangte den Startern einiges ab.

Skirennen auf der Walcheralm, 1939

Erste Skilifte

Für die Kinder von damals war es nichts Ungewöhnliches, mit den Skiern den Berg nach oben zu „staffeln“. Beinahe jeder Hügel hinter Haus und Hof ist mehr als einmal als Skiwiese genutzt geworden. Umso größer war die Freude, als erste Skilifte entstanden. Es waren kurze Lifte, die mit Ochsen oder Pferden angetrieben wurden. Ein prägendes Ereignis in der Geschichte des Skisports der Ramsau war die Errichtung des ersten Umlaufliftes am Kulmberg 1958. Noch im selben Jahr wurden Lichtmasten montiert, woraus die Idee zur Durchführung eines Tag- und Nachttorlaufs geboren wurde. Am 29. März 1958 fiel der Startschuss zum ersten Nachttorlauf am Kulmberg. Viele weitere Rennen folgten.

Vom richtigen Schwung im Schnee

Von der ersten Skischule in der Ramsau ist bereits in den 1930er Jahren die Rede. Auch auf der Austriahütte wurde einigen Leuten schon früh das Skifahren gelehrt. Sigmund Royer war es, der Anfang der 1960er Jahre die erste Skischule, die den neuesten Standards entsprach, gegründet hatte. Lange Zeit war dies die einzige Skischule in der Ramsau, in der Parallelschwung und die richtige Wedeltechnik gezeigt wurden. In Spitzenzeiten, beispielsweise zu Weihnachten, wurden rund 100 Skilehrer beschäftigt. Zu dieser Zeit erfuhr auch der Wintertourismus in der Dachsteingemeinde allmählich seinen Aufschwung. Nicht zuletzt auch durch den Ramsauer Skifahrer Reinhard Tritscher, der zu dieser Zeit international sehr erfolgreich war (siehe Portrait).

 Ein besonderer Meilenstein, speziell auch aus touristischer Sicht, war die Erschließung des Rittisberges als Skiberg. Seither erfolgt regelmäßig die Durchführung verschiedenster Veranstaltungen wie Vereinsmeisterschaften, FIS-Rennen oder etwa die Synchro-Ski-Weltmeisterschaft. Die Faszination des alpinen Skisports ist bis heute enorm. Einheimische, ob klein oder groß, sind in den Wintermonaten auf den Pisten anzutreffen. Warum das so ist, wird einem spätestens klar, wenn man seine Schwünge auf den großartig präparierten Pisten, abseits vom Massentourismus, zieht. In den letzten Jahrzehnten wurde Vieles unternommen, um dem Wintergast ein besonders abwechslungsreiches und unvergleichliches Angebot zu präsentieren. Pisten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden,  familienfreundliche Angebote und die Ursprünglichkeit der Landschaft sind nur einige der Zutaten, die einen Skiurlaub in Ramsau am Dachstein unvergesslich machen!

Beginn des Langlaufs

1. Langlaufveranstaltung

 Die Anfänge des Langlaufs in der Ramsau sind in etwa mit jenen des Alpinskifahrens, Anfang des 20. Jahrhunderts, gleich zu setzen. Schon früh machte die erfolgreiche Durchführung namhafter Veranstaltungen die Dachsteingemeinde zu dem, was sie heute ist: eines der besten Langlaufzentren, das international einen herausragenden Ruf genießt. Diese bis heute andauernde Aufwärtsentwicklung im nordischen Sektor nahm mit der Durchführung des Coupe Kurikkala ihren Anfang. Nachdem die Langlauf-Veranstaltung zuvor schon in Ländern wie Italien, Jugoslawien, der Schweiz und Frankreich durchgeführt wurde, machte sie erstmals in Österreich halt. Vom 6. bis 8. Februar 1959 war Ramsau Austragungsort der Wettkämpfe um die Coupe Kurikkala.

Die ganze Bevölkerung war damals mit Herz und Hand dabei. Ohne jeglichen Maschineneinsatz wurde eine Strecke von 30 Km mit den Skiern präpariert. Läufer aus neun Nationen gingen an den Start. Wie erfolgreich die Austragung damals gewesen sein musste, lässt sich anhand eines Zeitungsbericht- Ausschnittes nachvollziehen: „Sagen wir´s gleich vorweg: Es war kein Sieg österreichischer Langläufer, aber es war die österreichische, die bisher beste Organisation aller ausgetragenen Wettbewerbe um die Coupe Kurikkala“. 1961 wurde Ramsau erneut mit der Durchführung einer Großveranstaltung betraut: dem „1. Internationalen Langlauf um die Dachstein-Trophäe“. Und schon damals wurde aufgrund der vielen Lobeshymnen gemutmaßt, der Ort könne zu einem Zentrum des nordischen Skilaufs heranwachsen. Im Jahr 1972, wurde auch das erste „Langlaufzentrum Dachstein“ durch drei Berg- und Skiführer gegründet. Von nun an sollte auch den Ramsauer Gästen die richtige Langlauftechnik vermittelt werden. Der „Internationale Langlauf um die Dachstein-Trophäe“ wurde seit Beginn der 1970er Jahre weiter durchgeführt und fand 1980 im ersten offiziellen Langlauf-Weltcup seine Festsetzung.

Ramsau am Dachstein hatte es endgültig geschafft, sich in der internationalen Langlaufwelt zu etablieren. Die Veranstaltung entwickelte sich zur bedeutendsten Langlauf-Veranstaltung im mitteleuropäischen Raum. Durch die Übertragung der Weltcup-Veranstaltungen wurde erstmals auch im Deutschen Fernsehen über die Dachsteingemeinde berichtet.

Nordische Ski WM

Christian Hoffmann beim legendären Zielsprint.

Durch den Erfolg der Veranstaltungen beflügelt, reifte die Idee heran, sich um die Durchführung einer Nordischen Ski Weltmeisterschaft zu bewerben. 1994 erhielt Ramsau am Dachstein schließlich den Zuschlag zur Austragung der WM im Jahr 1999. In den darauffolgenden Jahren wurden touristische Infrastruktur- Bauvorhaben umgesetzt. Bereits die „WM-Generalprobe“ im Jänner 1998 lockte an die 40.000 Zuschauer in die Ramsau. Der Weltmeisterschaft selbst, die vom 18. bis 28. Februar 1999 stattfand, wohnten zahlreiche illustre Gäste aus dem In- und Ausland bei. Unter anderem der norwegische König Harald mit seiner Frau Sonja, König Carl Gustav von Schweden und seine Silvia und auch Prinz Albert von Monaco. Gold für Österreich! Die Bewerbe selbst waren an Spannung kaum zu überbieten. Von den Österreichern wurde viel erwartet und auch viel erreicht. Bereits am ersten Wettkampftag erzielte Alois Stadlober beim 30 Km Langlauf der Herren den 5. Platz.

Die Osttirolerin Maria Theurl (heute verheiratet mit dem Ramsauer Langläufer Achim Walcher) holte sich im 15 Km Langlauf die Bronzemedaille. Einmal mehr bewies Alois Stadlober beim 10 Km Langlauf seine bestechende Form und musste sich nur dem überragenden Finnen Mika Myllylä geschlagen geben. Weitere Medaillen errangen Michail Botwinow (Bronze über 50 Km) und Mario Stecher (Silber in der Nordischen Kombination). Die österreichische Springermannschaft war indes auf der Großschanze in Bischofshofen äußerst erfolgreich. Und dann kam Freitag, der 26. Februar 1999, der wohl in die österreichische Sportgeschichte eingegangen ist. Sieg der österreichischen Staffel im 4 x 10 Km Langlauf. Nach einem überaus dramatischen Rennen, das 45.000 Menschen hautnah miterlebten, gewannen die Österreicher Markus Gandler, Alois Stadlober, Michail Botwinow und Christian Hoffmann die langersehnte Goldmedaille für Österreich.

 Drei der Herren leben bzw. arbeiten nun hier. Insgesamt zählte die Weltmeisterschaft 230.000 Besucher und bildete den Höhepunkt in der jahrzehntelangen Aufwärtsentwicklung des Langlaufsports in Ramsau am Dachstein. Überdies bildet die Infrastruktur (Roller-Strecke, Biathlon, Leistungszentrum) von Ramsau am Dachstein mit dem Dachsteingletscher seit Jahrzehnten ein beliebtes Trainingszentrum vieler nordischen Jahren und oben der legendäre Nationalmannschaften.

Dieser Artikel erschien im Der Dachsteiner Winter 2011/12

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